
unsere masterthesis übt kritik an der weiterhin vorherrschenden, top-down geprägten stadtplanung, die städte aus der vogelperspektive denkt und dabei die alltäglichen erfahrungen der menschen vernachlässigt. wir setzen dem eine menschenzentrierte perspektive entgegen. wir verstehen stadt als zusammenspiel von hardware, software und orgware: der gebauten umgebung, den räumlichen praktiken und nutzungen sowie den strukturen und regeln, die urbanes leben prägen.
unser besonderes augenmerk liegt auf der rolle der innenarchitektur als vermittlerin zwischen starrer planung und gelebtem alltag. durch ihre flexibilität und kürzeren lebenszyklen kann sie auf veränderungen reagieren, räume temporär transformieren und so neue perspektiven auf die stadt eröffnen. zentrale leitgedanken sind flexibilität, suffizienz und zirkularität – prinzipien, die den faktor zeit als dynamische dimension der stadtgestaltung integrieren.
neue recherchen, begegnungen und gespräche werfen fortlaufend neue fragen und hypothesen auf – über verantwortung, haltung und gestaltung im räumlichen kontext. nicht jede dieser fragen muss beantwortet werden. manche bleiben bewusst offen, als impuls zum nachdenken und weiterdenken.
01 ARCHITEKTUR IST NIE NICHT POLITISCH!
02 EIN INKLUSIVES UND DISKRIMINIERUNGSFREIES DENKEN, SPRECHEN, PLANEN UND HANDELN IST IN JEDEM KONTEXT VON ENTSCHEIDENDER BEDEUTUNG, UM STRUKTURELLE MISSSTÄNDE EFFEKTIV ZU ADRESSIEREN UND AUFZUBRECHEN
03 PLANUNGSPROZESSE IN DER BAUBRANCHE MÜSSEN IM SINNE VON KLIMA- & ARTENSCHUTZ ERNSTHAFT UMGEDACHT WERDEN
04 DIE ‚SOFTWARE‘ DEFINIERT EINEN ORT. DIE ‚HARDWARE‘ BILDET DIE (HANDLUNGS-)BASIS
05 COMMONING IST WICHTIGER ALS DER PROFIT EINZELNER
06 DIE SCHNITTSTELLE – DER SCHWELLENBEREICH – ZWISCHEN ÖFFENTLICH UND PRIVAT KANN EIN RAUM SEIN DER EINE INFORMELLE ART DES TREFFENS, AUSTAUSCHENS UND DES GEGENSEITIGEN UNTERSTÜTZENS ERMÖGLICHT
07 DAS AUSWEITEN DES BLICKFELDES ÜBER DIE EIGENE PROFESSION HINAUS ERÖFFNET NEUE UND BEREICHERNDE BLICKWINKEL AUF BEREITS BESTEHENDE UND NEUE ERKENNTNISSE
08 EIN MULTIPERSPEKTIVISCHER UND VOR ALLEM KÖRPERRAUMBEZOGENER BLICK AUF STADT(-RAUM) IST FÜR EINE NUTZERINNENZENTRIERTE PLANUNG UNABDINGBAR
unsere arbeit orientiert sich an acht leitsätzen, die als gedankliche leitplanken dienen. sie strukturieren unser denken, sprechen, planen und handeln und werden im prozess immer wieder kritisch hinterfragt, überprüft und erweitert.

das mapping verortet und verknüpft gedachtes und getanes im städtischen kontext. als eine darüberschwebende, aber nicht übergeordnete oder gegeneinander wertende ebene. eine ebene die atmosphären und situationen vermittelt, geschichten erzählt und die vielschichtigkeit der betrachteten aspekte verdeutlicht. all diese inhalte stellen den prozess des kennen- und verstehenlernens eines ortes auf verschiedenen flughöhen dar. ein quadrat im quadrat im quadrat.









kartierungen begleiten unseren prozess des kennenlernens von orten über viele wochen und geben einblicke in situationen. kleine situative zeichnungen visualisieren ereignisse, vorgefundene typologien sowie einblicke in die häufig nicht einsichtigen innenhöfe und gewerbeparzellen. der wechsel in der perspektive ermöglicht es uns, einen überblick über das vorgefundene zu erlangen und unmittelbar erlebtes in den kontext einzuordnen. der wechsel der perspektive fungiert als wichtiges tool, vergleichbar mit einem „shot“ und „countershot“ in filmischen darstellungen, um die komplexität und dynamik der umgebung vollständig zu erfassen und zu verstehen.


eine unserer umgesetzten interventionen zielte darauf ab, die nutzungsdynamik des platzes zu verändern und mehr flexibilität zu ermöglichen. die stühle sollen die menschen dazu ermutigen, den raum aktiv und nach ihren bedürfnissen zu gestalten. die umsetzung der intervention führte zu veränderungen in der platznutzung. menschen bildeten vermehrt kommunikative gruppen in der platzmitte und neben den spielgeräten. auch im bereich des sandkastens wurden die stühle genutzt, was eine verstärkte integration unterschiedlicher altersgruppen zur folge hatte. kinder reagierten intuitiv positiv auf die aktion und verstanden die dahinterstehende absicht. die anfängliche unsicherheit der nutzerinnen wurde schnell überwunden, sobald die ersten personen begannen, die stühle zu verwenden. dies führte zu einer raschen akzeptanz und weitverbreiteten nutzung des mobiliars.

eine weitere intervention weist auf den peripheren schwellenraum hin, der den übergang zwischen dem öffentlichen gehweg und den privateren räumen der angrenzenden gebäude darstellt. es ist ein unternutzer raum, der noch nicht vollständig definiert ist und raum für verschiedene arten von aktivitäten bietet, die sich nicht klar in die öffentliche oder private sphäre einordnen lassen. die intervention des ’stadtwohnzimmers‘ verdeutlicht die möglichkeit, sich solche peripheren schwellenräume anzueignen und temporär zu nutzen, um den stadtraum neu zu gestalten und zu beleben.

über methoden in der darstellung: in der architektur, kunst und gestaltung wird zunehmend mit methoden aus anderen disziplinen gearbeitet. aus dem theater etwa stammen formen des räumlichen denkens, die über bewegung, handlung und wahrnehmung funktionieren. der film bringt techniken des framings, der perspektive und der zeitlichen montage ein und aus der performancekunst kommen experimentelle ansätze, die raum als handlung oder prozess begreifen. diese methoden sind keine bloßen „transfers“ zwischen disziplinen, sondern erweiterungen des eigenen instrumentariums. sie öffnen den blick auf raum als etwas dynamisches, verhandelbares, inszeniertes und verschieben damit auch den umgang mit werkzeugen wie dem modellbau.

gerade der modellbau ist ein faszinierendes beispiel dafür, wie sich denkweisen, techniken und herangehensweisen anderer disziplinen produktiv übertragen lassen. denn ein modell kann gleichzeitig bühne, versuchsanordnung, szenario oder hypothese sein. es kann erzählen, verhandeln, transformieren und wird so zu einem medium, das weit über den klassischen architektonischen maßstab hinausgeht.

modellbau ist weniger ein objekt als ein prozess. besonders interessant wird er, wenn modelle veränderung sichtbar machen, denn raum ist nie statisch. er wird genutzt, angeeignet, verändert. jede räumliche analyse trägt daher immer auch eine zeitliche dimension in sich. in diesem sinne ist jedes gute modell – ob in architektur, kunst oder theater – ein vorschlag, wie wirklichkeit auch sein könnte. ein modell ist ein raum, in dem denken sichtbar wird. das modell dabei nicht bloßer hintergrund, es ist ein kommentar: räumliche reflexionen über orte, zustände und möglichkeiten.

das arbeiten im modell bedeutet dabei nicht, realität exakt nachzubilden, sondern sie zu befragen. oft liegt die kraft im weglassen oder in der bewussten verschiebung. ein modell ist kein abbild, sondern eine interpretation. wir bauen keine orte, sondern zustände. zwischenräume, erinnerungsschichten, atmosphären. ihre bühnen sind modelle gesellschaftlicher realität, in denen das unsichtbare sichtbar wird.

wir glauben an eine stadtplanung auf augenhöhe, körpernah, nutzerinnenorientiert und offen für neue perspektiven. dabei denken wir interdisziplinär, arbeiten kontextbezogen und holen impulse aus anderen feldern wie film, gestaltung und lehre. unser ziel: räume schaffen, die wirklich gebraucht, verstanden und belebt werden – jenseits von normen, hin zu aktiver nutzungskultur.

