entwurf ma3 2023 // umnutzung der alten oberpostdirektion // düsseldorf flingern
der K5 tower versteht sich als neuinterpretation des bestandsgebäudes ‚alte oberpostdirektion‘, das wir in fünf charakteristische komplexe gliedern. ausgehend von der analyse des stadt(zwischen)raums betrachten wir architektur als abfolge räumlicher sequenzen – inspiriert durch doris agotais theorie der segmentierten raumwahrnehmung. unser entwurf setzt genau dort an: im erdgeschoss, als unmittelbare schnittstelle von stadt, besuchenden und bewohnenden.
der bestand ist reich an räumlichen potenzialen, doch die kommunikation mit dem stadtteil fehlt. um diese blockade zu lösen, ist ein gezielter baulicher eingriff nötig – inklusive teilrückbau. nur so kann der komplex zum lebendigen „place to be in düsseltal“ werden: vernetzt, durchlässig und vielseitig nutzbar.
die freiräume zwischen den baukörpern sind das herzstück des entwurfs. sie werden zu aufenthaltsräumen, begegnungszonen und programmatischen impulsgebern. durch neue wegeverbindungen, offene erdgeschosse und kommunikationsfähige fassaden entsteht ein fein abgestimmtes netzwerk aus urbanem außenraum und aktivierten erdgeschosszonen.
jeder komplex wird entsprechend seiner architektonischen talente und städtebaulichen lage neu programmiert: K1: bibliothek, marktgasse, gewerke. K2: altersgerechtes wohnen, medizinische versorgung, kunstgalerie. K3: kulturcluster mit theater, café und forschungsräumen. K4: sporthalle, jugendzentrum, werkstatt. hochhaus: innovative wohnformen & gemeinschaftliche nutzungen. so entsteht ein heterogenes, lebendiges gefüge, das aufeinander reagiert.
im hochhaus entstehen gemeinschaftsorientierte wohnmodelle. einschnitte in der fassade erzeugen doppelt orientierte räume und neue perspektiven. großzügige gemeinschaftliche küchen und aufenthaltsbereiche ermöglichen geteilte care-arbeit, während wohnnutzstege und netz-ebenen als informelle treffpunkte dienen. es ist ein neues wohnen – sozial, offen, architektonisch transformiert.
links – museum insel hombroich – zwölf-räume-haus // rechts – fotorealistisches modell
das modell ‚museum insel hombroich‘ orientiert sich an einem maßstab von etwa 1:20 – „etwa“, weil fotorealistische maßstäbe immer ein spiel der annäherung sind. durch die perspektivische verzerrung der kamera entsteht kein absoluter maßstab, sondern ein interpretierter. alle proportionen wurden daher sorgsam aus dem original heraus geschätzt und räumlich neu übersetzt. die möbel sind eigens 3d-gedruckt, der modellkörper aus mdf gefertigt, der boden mit fotopapier beklebt. die dachkonstruktion ist aus holzstäben gearbeitet. so wird das modell zum mittel, die fotografie zum ziel: sie zeigt den raum so, wie er im maßstab erst sichtbar wird.
case studies case stories // masterarbeit 2024 // über erfahrungen und atmosphäre transformieren
unsere masterthesis übt kritik an der weiterhin vorherrschenden, top-down geprägten stadtplanung, die städte aus der vogelperspektive denkt und dabei die alltäglichen erfahrungen der menschen vernachlässigt. wir setzen dem eine menschenzentrierte perspektive entgegen. wir verstehen stadt als zusammenspiel von hardware, software und orgware: der gebauten umgebung, den räumlichen praktiken und nutzungen sowie den strukturen und regeln, die urbanes leben prägen.
unser besonderes augenmerk liegt auf der rolle der innenarchitektur als vermittlerin zwischen starrer planung und gelebtem alltag. durch ihre flexibilität und kürzeren lebenszyklen kann sie auf veränderungen reagieren, räume temporär transformieren und so neue perspektiven auf die stadt eröffnen. zentrale leitgedanken sind flexibilität, suffizienz und zirkularität – prinzipien, die den faktor zeit als dynamische dimension der stadtgestaltung integrieren.
neue recherchen, begegnungen und gespräche werfen fortlaufend neue fragen und hypothesen auf – über verantwortung, haltung und gestaltung im räumlichen kontext. nicht jede dieser fragen muss beantwortet werden. manche bleiben bewusst offen, als impuls zum nachdenken und weiterdenken.
01 ARCHITEKTUR IST NIE NICHT POLITISCH!
02EIN INKLUSIVES UND DISKRIMINIERUNGSFREIES DENKEN, SPRECHEN, PLANEN UND HANDELN IST IN JEDEM KONTEXT VON ENTSCHEIDENDER BEDEUTUNG, UM STRUKTURELLE MISSSTÄNDE EFFEKTIV ZU ADRESSIEREN UND AUFZUBRECHEN
03 PLANUNGSPROZESSE IN DER BAUBRANCHE MÜSSEN IM SINNE VON KLIMA- & ARTENSCHUTZ ERNSTHAFT UMGEDACHT WERDEN
04 DIE ‚SOFTWARE‘ DEFINIERT EINEN ORT. DIE ‚HARDWARE‘ BILDET DIE (HANDLUNGS-)BASIS
05 COMMONING IST WICHTIGER ALS DER PROFIT EINZELNER
06 DIE SCHNITTSTELLE – DER SCHWELLENBEREICH – ZWISCHEN ÖFFENTLICH UND PRIVAT KANN EIN RAUM SEIN DER EINE INFORMELLE ART DES TREFFENS, AUSTAUSCHENS UND DES GEGENSEITIGEN UNTERSTÜTZENS ERMÖGLICHT
07 DAS AUSWEITEN DES BLICKFELDES ÜBER DIE EIGENE PROFESSION HINAUS ERÖFFNET NEUE UND BEREICHERNDE BLICKWINKEL AUF BEREITS BESTEHENDE UND NEUE ERKENNTNISSE
08EIN MULTIPERSPEKTIVISCHER UND VOR ALLEM KÖRPERRAUMBEZOGENER BLICK AUF STADT(-RAUM) IST FÜR EINE NUTZERINNENZENTRIERTE PLANUNG UNABDINGBAR
unsere arbeit orientiert sich an acht leitsätzen, die als gedankliche leitplanken dienen. sie strukturieren unser denken, sprechen, planen und handeln und werden im prozess immer wieder kritisch hinterfragt, überprüft und erweitert.
das mapping verortet und verknüpft gedachtes und getanes im städtischen kontext. als eine darüberschwebende, aber nicht übergeordnete oder gegeneinander wertende ebene. eine ebene die atmosphären und situationen vermittelt, geschichten erzählt und die vielschichtigkeit der betrachteten aspekte verdeutlicht. all diese inhalte stellen den prozess des kennen- und verstehenlernens eines ortes auf verschiedenen flughöhen dar. ein quadrat im quadrat im quadrat.
kartierungen begleiten unseren prozess des kennenlernens von orten über viele wochen und geben einblicke in situationen. kleine situative zeichnungen visualisieren ereignisse, vorgefundene typologien sowie einblicke in die häufig nicht einsichtigen innenhöfe und gewerbeparzellen. der wechsel in der perspektive ermöglicht es uns, einen überblick über das vorgefundene zu erlangen und unmittelbar erlebtes in den kontext einzuordnen. der wechsel der perspektive fungiert als wichtiges tool, vergleichbar mit einem „shot“ und „countershot“ in filmischen darstellungen, um die komplexität und dynamik der umgebung vollständig zu erfassen und zu verstehen.
eine unserer umgesetzten interventionen zielte darauf ab, die nutzungsdynamik des platzes zu verändern und mehr flexibilität zu ermöglichen. die stühle sollen die menschen dazu ermutigen, den raum aktiv und nach ihren bedürfnissen zu gestalten. die umsetzung der intervention führte zu veränderungen in der platznutzung. menschen bildeten vermehrt kommunikative gruppen in der platzmitte und neben den spielgeräten. auch im bereich des sandkastens wurden die stühle genutzt, was eine verstärkte integration unterschiedlicher altersgruppen zur folge hatte. kinder reagierten intuitiv positiv auf die aktion und verstanden die dahinterstehende absicht. die anfängliche unsicherheit der nutzerinnen wurde schnell überwunden, sobald die ersten personen begannen, die stühle zu verwenden. dies führte zu einer raschen akzeptanz und weitverbreiteten nutzung des mobiliars.
eine weitere intervention weist auf den peripheren schwellenraum hin, der den übergang zwischen dem öffentlichen gehweg und den privateren räumen der angrenzenden gebäude darstellt. es ist ein unternutzer raum, der noch nicht vollständig definiert ist und raum für verschiedene arten von aktivitäten bietet, die sich nicht klar in die öffentliche oder private sphäre einordnen lassen. die intervention des ’stadtwohnzimmers‘ verdeutlicht die möglichkeit, sich solche peripheren schwellenräume anzueignen und temporär zu nutzen, um den stadtraum neu zu gestalten und zu beleben.
über methoden in der darstellung: in der architektur, kunst und gestaltung wird zunehmend mit methoden aus anderen disziplinen gearbeitet. aus dem theater etwa stammen formen des räumlichen denkens, die über bewegung, handlung und wahrnehmung funktionieren. der film bringt techniken des framings, der perspektive und der zeitlichen montage ein und aus der performancekunst kommen experimentelle ansätze, die raum als handlung oder prozess begreifen. diese methoden sind keine bloßen „transfers“ zwischen disziplinen, sondern erweiterungen des eigenen instrumentariums. sie öffnen den blick auf raum als etwas dynamisches, verhandelbares, inszeniertes und verschieben damit auch den umgang mit werkzeugen wie dem modellbau.
gerade der modellbau ist ein faszinierendes beispiel dafür, wie sich denkweisen, techniken und herangehensweisen anderer disziplinen produktiv übertragen lassen. denn ein modell kann gleichzeitig bühne, versuchsanordnung, szenario oder hypothese sein. es kann erzählen, verhandeln, transformieren und wird so zu einem medium, das weit über den klassischen architektonischen maßstab hinausgeht.
modellbau ist weniger ein objekt als ein prozess. besonders interessant wird er, wenn modelle veränderung sichtbar machen, denn raum ist nie statisch. er wird genutzt, angeeignet, verändert. jede räumliche analyse trägt daher immer auch eine zeitliche dimension in sich. in diesem sinne ist jedes gute modell – ob in architektur, kunst oder theater – ein vorschlag, wie wirklichkeit auch sein könnte. ein modell ist ein raum, in dem denken sichtbar wird. das modell dabei nicht bloßer hintergrund, es ist ein kommentar: räumliche reflexionen über orte, zustände und möglichkeiten.
das arbeiten im modell bedeutet dabei nicht, realität exakt nachzubilden, sondern sie zu befragen. oft liegt die kraft im weglassen oder in der bewussten verschiebung. ein modell ist kein abbild, sondern eine interpretation. wir bauen keine orte, sondern zustände. zwischenräume, erinnerungsschichten, atmosphären. ihre bühnen sind modelle gesellschaftlicher realität, in denen das unsichtbare sichtbar wird.
wir glauben an eine stadtplanung auf augenhöhe, körpernah, nutzerinnenorientiert und offen für neue perspektiven. dabei denken wir interdisziplinär, arbeiten kontextbezogen und holen impulse aus anderen feldern wie film, gestaltung und lehre. unser ziel: räume schaffen, die wirklich gebraucht, verstanden und belebt werden – jenseits von normen, hin zu aktiver nutzungskultur.
unsere analyse der dortmunder nordstadt zeigt räumliche wie soziale defizite: mangelnde vernetzung, isolation marginalisierter gruppen, unsicherheitsgefühle im straßenraum und ein hoher bedarf an flexiblem, bezahlbarem wohnraum. die analyse bildet die grundlage für gezielte interventionen, die sicherheit, teilhabe und austausch stärken.
das konzept ‚antiblock‘ bricht die monolithische blockstruktur auf. durch neue durchwegungen, öffentliche nutzungen und gezielt gesetzte neubauten entsteht ein quartier, das sich zum stadtraum hin öffnet. die geste der geöffneten dächer und neu geschaffene blickbeziehungen verankern den block sichtbar im urbanen gefüge.
zentral ist der gedanke, das „dazwischen“ neu zu verstehen: treppenräume, innenhöfe, laubengänge und zwischenzonen werden als aufenthalts- und begegnungsräume aktiviert. sie verbinden innen und außen auf neue weise und schaffen orte informeller nachbarschaft, sichtbarkeit und gemeinschaft.
der entwurf arbeitet auf drei ebenen: geschoss, block, quartier. kleine architektonische eingriffe – etwa im bestand – wirken ebenso transformativ wie großmaßstäbliche ergänzungen im stadtraum. so entsteht ein mehrschichtiges system, das auf alltägliche bedürfnisse reagiert und gleichzeitig das quartier langfristig stärkt.
in den geöffneten innenhöfen entsteht ein landschaftlich gestaltetes netzwerk aus wegen, pocket-parks, gemeinschaftlichen terrassen und gewächshäusern. es verbindet wohnen, versorgung und freizeit und ermöglicht eine 15-minuten-stadt im kleinen: wege, angebote und begegnung werden verdichtet und fußläufig erfahrbar.
die bestehenden riegelbauten werden umprogrammiert: von maisonettewohnungen über große gemeinschafts-wgs bis hin zu co-working- und sporträumen. die ehemaligen treppenhäuser werden barrierefrei erschlossen und als funktionsräume weitergenutzt. so entsteht aus vorhandener struktur neue diversität.
durch gezielte positionierung von kita, kreativtreff, unverpacktladen, showroom und werkstatt entstehen neue versorgungsbausteine im block. sie füllen leerstellen, schaffen alltagsqualität und dienen als urbane anker – unmittelbar eingebettet in das leben der nordstadt.
der entwurf folgt zehn geboten: kollektivität, barrierefreiheit, nachhaltigkeit, nahbarkeit, wandelbarkeit und die auflösung von „unorten“. ziel ist ein quartier, das insbesondere frauen, vulnerable gruppen und menschen mit migrationsgeschichte adressiert – und damit eine stadt, die für alle funktioniert.
über genaues hinsehen und analysieren von raum in bewegtem bild auf dessen konstruktive logik schließen am beispiel ‚tatort bremen‘. das ermittlerinnenbüro ist als länglicher, offener arbeitsraum konzipiert, der mehrere funktionszonen vereint: arbeitsplätze, teeküche, kopierraum und ein separates büro, das über eine glastrennwand angebunden ist. die raumstruktur übersetzt die atmosphäre des filmischen vorbilds in eine klare, konstruktiv nachvollziehbare architektur mit hoher nutzungsflexibilität.
die modellaufnahmen zeigen die räumlichen proportionen, lichtstimmungen und materialbezüge im verkleinerten maßstab. besonders sichtbar wird dabei das zusammenspiel aus massivität der betonstruktur, leichtigkeit der verglasung und der linearen deckenlandschaft.
die großformatige glastrennwand mit metallrahmen strukturiert den raum, ohne ihn zu zerteilen. sie schafft blickbeziehungen zwischen großraumbüro und ermittlerinnenbüro, vermittelt transparenz und unterstützt gleichzeitig akustische trennung.
die perspektiven des großraumbüros inszenieren die arbeitsumgebung der ermittlerinnen mit fokus auf licht, transparenz und funktionale präzision. die großformatigen fensterflächen fluten den raum mit tageslicht, während hochwertige innenausbau-elemente – türen, deckenanschlüsse, paneele – den charakter eines professionellen ermittlungsumfelds nachzeichnen.
die grundrisse verdeutlichen die klare sequenzierung des raumes. eine abgehängte rasterdecke nimmt die technische infrastruktur auf und ermöglicht eine gleichmäßige lichtführung. kautschukboden, sichtbare metallrahmen und klare verglasungen erzeugen eine präzise, sachliche innenraumstimmung.